
Energiebilanz
Die Energiebilanz beschreibt das Verhältnis zwischen aufgenommener und verbrauchter Energie in einem festgelegten Zeitraum. Übersteigt die Zufuhr den Verbrauch, ist die Bilanz positiv; übersteigt der Verbrauch die Zufuhr, ist sie negativ; liegen beide ungefähr gleichauf, besteht näherungsweise eine ausgeglichene Bilanz. Diese Zustände heißen auch Kalorienüberschuss, Kaloriendefizit und Energieerhalt.
Der Energieerhaltungssatz gilt auch für den menschlichen Körper, doch der Körper ist kein Rechner mit unveränderlichen Eingaben. Veränderungen der Nahrungszufuhr und des Körpergewichts können die Alltagsbewegung, den thermischen Effekt der Nahrung, den Ruheenergieverbrauch und den Energieaufwand für Aktivität beeinflussen. Eine starre Regel, die eine bestimmte Zahl an Kalorien dauerhaft in dieselbe Gewichtsveränderung umrechnet, wird deshalb mit der Zeit ungenauer. Dynamische Modelle wie der Body Weight Planner des NIDDK berücksichtigen einen Teil dieser Anpassungen.
Der aussagekräftige Zeitraum ist länger als eine Mahlzeit und normalerweise auch länger als ein Tag. Die Energiespeicher des Körpers gleichen kurzfristige Unterschiede aus. Gleichzeitig können Wasser, Glykogen, Salz und Verdauungsinhalt das Gewicht verändern, ohne dass sich Fett- oder Muskelmasse entsprechend ändern. Ein Verlauf aus wiederholten Messungen ist daher aussagekräftiger als ein einzelner Wert. Bleibt das durchschnittliche Körpergewicht über mehrere Wochen stabil, spricht das für eine annähernd ausgeglichene Bilanz; bei einer Körperrekomposition können sich Fett- und fettfreie Masse dennoch gleichzeitig verändern.
Die Energiebilanz ist ein Zustand und kein bestimmter Ernährungsplan. Eine geplante Massephase zielt meistens auf eine positive, eine geplante Definitionsphase auf eine negative Bilanz. Der angestrebte Kalorienwert und die tatsächlich erreichte Bilanz können jedoch voneinander abweichen. Letztere lässt sich aus Entwicklungen ableiten, aber nicht mit einem Rechner exakt vorhersagen.
Von der Energiebilanz zu unterscheiden ist die Energieverfügbarkeit im Sport. Sie beschreibt, wie viel Nahrungsenergie nach Abzug des trainingsbedingten Verbrauchs im Verhältnis zur fettfreien Masse für normale Körperfunktionen übrig bleibt. Selbst bei stabilem Gewicht kann eine problematisch niedrige Energieverfügbarkeit vorliegen. Der IOC-Konsens von 2023 zum relativen Energiedefizit im Sport beschreibt mögliche Folgen für Gesundheit und Leistung; anhaltende Beschwerden gehören in die Hände qualifizierter Fachpersonen.