Übertraining

Übertraining

Übertraining bezeichnet umgangssprachlich eine Trainingsbelastung, die die verfügbare Erholung übersteigt. Der medizinisch verwendete Begriff Übertrainingssyndrom (Overtraining Syndrome, OTS) ist enger gefasst: Er beschreibt eine länger anhaltende Fehlanpassung mit dauerhaftem Leistungsabfall und häufig weiteren Beschwerden, nachdem andere Erklärungen berücksichtigt wurden. Die normale Müdigkeit nach einer einzelnen harten Einheit ist kein OTS.

Das Syndrom wird vor allem anhand von Verlauf und Ergebnis vom funktionellen und nichtfunktionellen Overreaching abgegrenzt. Funktionelles Overreaching klingt vergleichsweise schnell ab und endet mit wiederhergestellter oder verbesserter Leistung. Nichtfunktionelles Overreaching dauert länger und bringt keinen Leistungsvorteil. Ein OTS hält noch länger an und kann das Training deutlich unterbrechen. Die Grenze lässt sich nicht im Voraus aus einer einzelnen Einheit oder einer einfachen Zeitgrenze bestimmen.

Beschrieben werden unter anderem anhaltender Leistungsabfall, ausgeprägte Ermüdung, Schlaf- oder Stimmungsprobleme, geringe Motivation und wiederkehrende Erkrankungen. Diese Merkmale sind nicht spezifisch für OTS. Das gemeinsame Konsensuspapier von ECSS und ACSM erklärt, dass die Einordnung vom klinischen Verlauf und dem Ausschluss anderer Ursachen abhängt. Hormonelle, biochemische, immunologische, psychologische und leistungsbezogene Marker erfüllen demnach nicht alle Anforderungen an einen allgemein einsetzbaren Diagnosetest.

Ein Plateau, erhöhter Ruhepuls, Muskelkater, geringe Herzfrequenzvariabilität, Reizbarkeit oder eine einzelne schlechte Woche können das Syndrom daher nicht nachweisen. Infekte, Blutarmut oder andere Mangelzustände, eine zu geringe Energiezufuhr, Nebenwirkungen von Medikamenten, Schlafstörungen, psychische Erkrankungen und weitere gesundheitliche oder alltägliche Faktoren können Teile des Bildes erklären. Die Bezeichnung „Adrenal Fatigue" ist keine alternative OTS-Diagnose.

Zum Risikomanagement gehören eine angemessene Trainingslast, ausreichende Regeneration, schrittweise Veränderungen, Schlaf, Ernährung und die Beobachtung anhaltender Trends. Ein Deload oder eine Trainingspause kann bei gewöhnlicher angesammelter Ermüdung helfen, ist aber weder ein Diagnosetest noch ein sicherer Schutz vor OTS. Auch eine App, ein Wearable oder ein Readiness-Wert kann OTS nicht sicher feststellen oder ausschließen.

Bleiben Leistung und Befinden trotz reduzierter Belastung deutlich beeinträchtigt oder wirken sich Beschwerden auf den Alltag aus, ist eine Abklärung durch entsprechend qualifiziertes medizinisches Fachpersonal angebracht. Einfach mehr zu trainieren, um den Zustand zu „durchbrechen", trennt Übertraining nicht zuverlässig von einem anderen Gesundheitsproblem.

Siehe auch: