
Valsalva-Manöver
Das Valsalva-Manöver ist der kräftige Versuch auszuatmen, obwohl die Atemwege geschlossen sind. Im Krafttraining hält eine Person dabei kurz die Luft an und spannt die Rumpfmuskulatur an, um während einer fordernden Wiederholung Druck und Steifigkeit aufzubauen. Das Manöver tritt häufig gemeinsam mit abdominalem Bracing auf, doch Luftanhalten und muskuläre Rumpfspannung sind nicht dieselbe Handlung.
Typischerweise wird vor der Wiederholung eingeatmet, die Stimmritze geschlossen, der Rumpf angespannt und der Druck durch den anspruchsvollsten Bewegungsabschnitt gehalten. Anschließend wird kontrolliert ausgeatmet oder für die nächste Wiederholung neu angesetzt. Dauer und Zeitpunkt hängen von der Übung ab. Ein einziger Atemzug über mehrere langsame Wiederholungen unterscheidet sich deutlich von einem neuen Brace vor jeder schweren Wiederholung und kann unnötig Schwindel auslösen.
Das Manöver erhöht den Druck im Brust- und Bauchraum. Dadurch kann der Rumpf einer Bewegung unter Last besser widerstehen, die Wirbelsäule wird aber nicht vollständig fixiert und eine sichere Ausführung ist nicht garantiert. Eine systematische Übersichtsarbeit zu Druckverhältnissen bei schwerem Krafttraining zeigt, dass die Reaktion von Übung, Last, Atmung und Equipment abhängt. Ein Trainingsgürtel kann Druck und Körperwahrnehmung verändern, erzeugt das Valsalva-Manöver jedoch nicht von selbst.
Gleichzeitig verursacht Valsalva schnelle und deutliche Veränderungen von Blutdruck und Blutfluss. Deshalb wird die Technik eher bei kurzen, anspruchsvollen Belastungen als bei jeder Wiederholung eines leichten oder ausdauerorientierten Satzes eingesetzt. Wenn keine maximale Rumpfsteifigkeit erforderlich ist, können das Ausatmen während der Anstrengung oder ein sehr kurzer, kontrollierter Atemstopp geeigneter sein.
Das Manöver lässt sich nicht pauschal für alle Menschen empfehlen. Wer eine bekannte Herz-Kreislauf-, Gefäß- oder Augenerkrankung hat oder ärztlich vom Pressen und Luftanhalten abgeraten wurde, sollte die Vorgehensweise mit der behandelnden Fachperson klären. Brustschmerz, Ohnmacht, plötzlich einsetzender starker Kopfschmerz, Sehstörungen oder ungewöhnliche Atemnot beim Heben gehören nicht zu einer normalen Ausführung. In diesem Fall sollte die Belastung beendet und medizinischer Rat eingeholt werden.
Anleitung durch eine qualifizierte Trainingsperson kann helfen, die Atmung bei Mehrgelenksübungen zu koordinieren, ohne den Atemstopp unnötig zu verlängern. Ziel ist eine für die Aufgabe wiederholbare Rumpfspannung und nicht maximaler Druck um seiner selbst willen.