
Muskelproteinsynthese
Muskelproteinsynthese (MPS) ist der zelluläre Vorgang, bei dem Muskelgewebe aus Aminosäuren neue Proteine aufbaut. Sie ersetzt und erneuert fortlaufend Eiweiße und kann über längere Zeit zur Bildung zusätzlicher kontraktiler und anderer Muskelproteine beitragen.
MPS bezeichnet nicht nur ein einziges Endprodukt. Die myofibrilläre Proteinsynthese betrifft Eiweiße des krafterzeugenden Apparats; weitere Fraktionen umfassen mitochondriale und sarkoplasmatische Proteine. In Studien werden Syntheseraten mithilfe stabiler Isotopenmarker und Gewebeproben über einen festgelegten Zeitraum ermittelt. Eine prozentuale Veränderung in einer Fraktion lässt sich deshalb nicht als ebenso großer Zuwachs an neuer Muskelmasse lesen.
Krafttraining und die Zufuhr von Protein können die myofibrilläre Proteinsynthese erhöhen. Gleichzeitig werden Proteine abgebaut. Die Bilanz aus Aufbau und Abbau bestimmt, ob in einem Zeitraum Muskelprotein hinzugewonnen oder verloren wird. Wiederholt positive Bilanzen können Hypertrophie unterstützen, doch das Wachstum eines gesamten Muskels hängt auch von Trainingsgeschichte, Erholung, Energieverfügbarkeit und der regelmäßigen Belastung der betreffenden Fasern ab.
Ein kurzfristiger MPS-Anstieg ist eine biologische Reaktion, aber weder ein direkter Qualitätswert für die Einheit noch eine zuverlässige Vorhersage des individuellen langfristigen Muskelaufbaus. Eine Humanstudie zur akuten Muskelproteinsynthese fand keinen Zusammenhang zwischen der Reaktion nach einer ersten Einheit und der späteren Hypertrophie. In zuvor untrainierter Muskulatur kann ein beträchtlicher Teil der frühen Synthese Reparatur und Umbau dienen. Eine weitere Langzeitstudie am Menschen zeigte einen engeren Zusammenhang zwischen integrierter myofibrillärer Synthese und Muskelwachstum, nachdem die anfänglichen Muskelschäden abgeklungen waren.
Die Muskelproteinsynthese ist auch kein einfacher an- oder ausgeschalteter „anaboler Schalter". Ihre Rate verändert sich mit der Zeit und hängt unter anderem von der gemessenen Proteinfraktion, dem Trainingsreiz, der Vorerfahrung, Nahrungszufuhr und dem Alter ab. Eine ausreichende Gesamtproteinzufuhr und über den Tag verteilte proteinreiche Mahlzeiten stellen die nötigen Aminosäuren bereit; progressives Krafttraining liefert den wiederkehrenden Belastungsreiz. Weder ein Körpergefühl noch Pump, Wearable oder Trainingsprotokoll misst die Muskelproteinsynthese direkt.