Alpha Progression
Zentrale Ermüdung

Zentrale Ermüdung

Auch bekannt als: ZNS-Ermüdung

Zentrale Ermüdung ist eine belastungsbedingte Verringerung der Fähigkeit des Nervensystems, die arbeitende Muskulatur willentlich anzusteuern. Die beteiligten Vorgänge finden im Gehirn und Rückenmark statt, die gemeinsam das zentrale Nervensystem (ZNS) bilden, und sind damit der neuromuskulären Verbindung vorgeschaltet.

Bei einer anstrengenden Aufgabe kann die Kraft sinken, weil weniger neuronaler Antrieb am Muskel ankommt, weil der Muskel auf diesen Antrieb schlechter reagiert oder weil beides zusammenwirkt. Die zweite Kategorie wird als periphere Ermüdung bezeichnet. In Studien lassen sich zentrale Beiträge abschätzen, indem willentlich erzeugte Kraft mit Reaktionen auf elektrische oder magnetische Stimulation verglichen wird. Solche Laborverfahren sind jedoch aufgabenspezifisch und nicht fehlerfrei. Eine Übersichtsarbeit zur neuromuskulären Ermüdung bei Ganzkörperbelastungen zeigt, dass sich zentrale und periphere Anteile je nach Belastungsprotokoll und Erholungszeit verändern können.

Im Trainingsalltag wird „ZNS-Ermüdung" oft viel weiter gefasst und soll geringe Motivation, Müdigkeit, schlechte Koordination oder einen schwachen Tag nach schweren Grundübungen erklären. Diese Beobachtungen weisen keinen zentralen Mechanismus nach. Ebenso möglich sind systemische Ermüdung, Schlafmangel, lokale Muskelermüdung, psychischer Stress, eine Erkrankung, ungewohnte Technik oder normale Leistungsschwankungen. Ein hohes Trainingsgewicht bedeutet außerdem nicht automatisch, dass das ZNS immer eine bestimmte Zahl von Tagen zur Erholung benötigt.

Zentrale Ermüdung ist kein Beleg dafür, dass Gehirn oder Rückenmark geschädigt oder „ausgebrannt" sind. Sie ist ein möglicher Beitrag zu einer akuten Leistungseinschränkung und keine Diagnose, die sich aus dem Gefühl nach einer harten Einheit stellen lässt. Für die Trainingssteuerung sind wiederholte Leistungsdaten unter vergleichbaren Bedingungen, Anstrengungswerte, Technik und die allgemeine Regenerationssituation meist hilfreicher als der Versuch, jede schwache Einheit dem ZNS zuzuschreiben.

Siehe auch: