
Bioimpedanzmessung
Die bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) schätzt die Körperzusammensetzung anhand des Widerstands des Körpers gegen einen sehr schwachen Wechselstrom. Körperfettwaagen für zu Hause, Hand-Fuß-Systeme und klinische Mehrfrequenzgeräte nutzen dieses Grundprinzip. Elektroden, Frequenzen und Berechnungsformeln unterscheiden sich jedoch.
Gemessen wird die Impedanz, zu der der elektrische Widerstand und bei geeigneten Geräten auch die Reaktanz gehören. Wasserreiches Gewebe leitet Strom anders als Gewebe mit geringerem Wasseranteil. Eine Formel schätzt deshalb zunächst Körperwasser oder fettfreie Masse und leitet daraus Fettmasse und Körperfettanteil ab. Das Gerät sieht oder wiegt Muskeln und Fett nicht direkt. Angaben wie „Skelettmuskelmasse", „Viszeralfett" oder „Stoffwechselalter" sind Modellergebnisse, deren Aussagekraft vom Gerät und von der verwendeten Referenzgruppe abhängt.
Der Flüssigkeitshaushalt ist für die Schätzung besonders wichtig. Vorheriges Essen und Trinken, Training, Schwitzen, Alkohol, Blasenfüllung, Hauttemperatur, zyklusbedingte Flüssigkeitsverschiebungen und Tageszeit können die Impedanz verändern. Wiederholungsmessungen sollten mit demselben Gerät, zu einer ähnlichen Uhrzeit und unter vergleichbaren Bedingungen bei Mahlzeiten, Training, Toilettengang und Flüssigkeitszufuhr erfolgen. Ein einheitlicher Ablauf verbessert die Vergleichbarkeit, beseitigt den Modellfehler aber nicht.
BIA kann praktisch sein, um einen groben Verlauf zu beobachten. Eine Dezimalstelle auf dem Display macht den individuellen Wert jedoch nicht automatisch genau. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2022 bei Sporttreibenden fand je nach BIA-Technik und Referenzmethode uneinheitliche Fettmasseschätzungen. Die Übereinstimmung war besser, wenn passende Hand-Fuß-Technik und sportartspezifische Formeln verwendet wurden. Eine weitere systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse fand breite Übereinstimmungsgrenzen zwischen BIA und DXA und riet davon ab, beide Verfahren austauschbar zu verwenden.
Eine Veränderung nach einem einzelnen Workout, einer Mahlzeit oder einem ungewöhnlich dehydrierten Morgen ist daher nicht als sofortiger Fettabbau oder Muskelaufbau zu deuten. Für das Fortschrittstracking sind wiederholte Messungen über Wochen zusammen mit Körpergewicht, Umfängen und Trainingsleistung sinnvoller. Wechselst du das Gerät oder vergleichst die BIA mit einem DEXA-Scan, solltest du eine neue Ausgangslinie beginnen, statt beide Zahlenreihen nahtlos zusammenzuführen.
Die BIA ist kein diagnostischer Test. Beachte die Sicherheitshinweise des Herstellers und hole vor der Nutzung fachmedizinischen Rat ein, wenn ein implantiertes elektronisches Gerät, eine Schwangerschaft oder eine andere dort genannte Gegenanzeige relevant ist.