
Muskelschaden
Trainingsbedingte Muskelschädigung ist eine vorübergehende Störung von Struktur und Funktion der Muskulatur nach einer ungewohnten oder außergewöhnlich fordernden Belastung. Besonders häufig wird sie nach einem großen Umfang ungewohnter exzentrischer Muskelarbeit untersucht. Mögliche Begleiterscheinungen sind Kraftverlust, Schwellung, Steifigkeit, Muskelkater und veränderte Blutmarker.
Kein einzelner indirekter Wert bildet die Schädigung vollständig ab. Kreatinkinase kann im Blut ansteigen, Bildgebung kann eine Schwellung zeigen, die Kraft kann sinken und Muskelkater kann auftreten. Zeitpunkt und Ausmaß dieser Reaktionen stimmen jedoch oft nicht überein. Zwei Personen können ähnlich starken Muskelkater melden und sich zugleich deutlich bei Kraftverlust oder Enzymwerten unterscheiden. Eine früh gemessene Zunahme der Muskeldicke nach ungewohntem Training kann zudem Flüssigkeitseinlagerung statt neuem kontraktilem Gewebe darstellen.
Trainingsbedingte Muskelschädigung lässt sich nicht sinnvoll als einfaches „Einreißen, damit der Muskel wächst" beschreiben. Sie ist von einer akuten Muskelzerrung oder einem Muskelfaserriss zu unterscheiden und keine Voraussetzung für Hypertrophie. Eine Übersichtsarbeit zu Muskelschädigung, Proteinsynthese und trainingsbedingtem Muskelaufbau kam zu dem Ergebnis, dass Schäden das langfristige Muskelwachstum offenbar weder vermitteln noch verstärken. Bei starker Schädigung kann ein Teil der erhöhten Muskelproteinsynthese der Reparatur statt dem Aufbau zusätzlichen kontraktilen Gewebes dienen.
Wird eine ähnliche Übung nach einer ungewohnten schädigenden Belastung wiederholt, fallen Schäden und Muskelkater meist geringer aus. Dieser Wiederholungseffekt ist eine Anpassung und kein Zeichen dafür, dass die Übung nicht mehr wirkt. Produktives Training kann fortbestehen, während die Schadenszeichen abnehmen. Wer Übungen ständig wechselt oder extreme exzentrische Arbeit nur für erneuten Muskelkater einbaut, kann stattdessen die Leistung verringern und die Regeneration verlängern.
Steigere Belastungen schrittweise und führe ungewohnte Übungen oder große exzentrische Umfänge allmählich ein. Leichte vorübergehende Beschwerden können eine Anpassung begleiten. Die US-Gesundheitsbehörde CDC nennt starke Muskelbeschwerden, Schwäche und dunklen Urin als Warnzeichen, die rasch abgeklärt werden sollten. Auch plötzlich stechender Schmerz sowie zunehmende oder anhaltende Symptome erfordern eine angemessene Beurteilung. Langfristiger Fortschritt und wiederherstellbare Leistung sind nützlichere Signale als möglichst große Gewebeschäden.